Eine gebrauchte Gitarre kann zehn Jahre gespielt worden sein und sich hervorragend anfühlen. Eine andere stand die meiste Zeit im Koffer und macht trotzdem Probleme. Das Alter allein sagt deshalb erstaunlich wenig darüber aus, ob sich der Kauf lohnt.
Viel interessanter ist, was an der Gitarre tatsächlich verschleißt und was lediglich nach Gebrauch aussieht.
Ein Kratzer auf der Rückseite ist schnell fotografiert. Einen ungünstigen Halswinkel oder stark abgespielte Bünde erkennt man dagegen nicht immer auf den ersten Blick. Wer eine gebrauchte Gitarre kaufen möchte, sollte deshalb wissen, welche Stellen für die Spielbarkeit entscheidend sind.
Einen Überblick über die derzeit verfügbaren Instrumente findest du in der Gear-Treasure-Kollektion Gitarren und Bässe. Wenn du dich auch für gebrauchte Verstärker, Schlagzeuge oder andere Instrumente interessierst, findest du grundlegende Hinweise im Ratgeber Gebrauchte Musikinstrumente kaufen: Worauf du wirklich achten solltest.
Der Hals ist wichtiger als ein makelloser Lack
Der Gitarrenhals steht unter ständigem Saitenzug. Holz reagiert zudem auf Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Eine gewisse Veränderung über die Zeit ist deshalb nichts Ungewöhnliches.
Problematisch wird es, wenn der Hals so stark verzogen ist, dass sich keine vernünftige Saitenlage mehr einstellen lässt. Bei vielen Gitarren kann die Halskrümmung über den Halsstab korrigiert werden. Das setzt natürlich voraus, dass der Halsstab funktioniert und noch ausreichend Einstellweg vorhanden ist.
Auf Fotos lässt sich das nur eingeschränkt beurteilen. Eine gute Beschreibung sollte deshalb Hinweise geben, wenn es an dieser Stelle Auffälligkeiten gibt.
Kleine Lackspuren auf der Halsrückseite sind eine andere Sache. Sie können optisch stören, müssen beim Spielen aber überhaupt nicht relevant sein.
Wie viel Bundverschleiß ist bei einer gebrauchten Gitarre normal?
Bünde sind Verschleißteile. Beim Spielen drücken die Saiten immer wieder auf dieselben Stellen. Mit der Zeit entstehen Spuren.
Leichter Bundverschleiß ist bei einer gebrauchten Gitarre daher kein Grund zur Sorge. Interessant wird es bei deutlich sichtbaren Kerben oder ungleichmäßig abgespielten Bereichen. Dann kann eine Bundabrichtung nötig werden. Bei sehr starkem Verschleiß steht irgendwann eine Neubundierung an.
Ob ein Bund bereits problematisch ist, hängt nicht allein von seinem Aussehen ab. Schnarrende Töne oder einzelne Stellen, an denen die Saite beim Bending abstirbt, können Hinweise auf Probleme sein.
Bei einem Online-Angebot ist es daher hilfreich, wenn der Zustand der Bünde konkret beschrieben wird, statt die gesamte Gitarre pauschal als „gut“ einzustufen.
Saitenlage und Setup richtig einordnen
Eine hohe Saitenlage bedeutet nicht automatisch, dass mit der Gitarre etwas nicht stimmt. Viele Instrumente lassen sich einstellen.
Dabei greifen mehrere Faktoren ineinander. Halskrümmung, Höhe der Brücke und Zustand der Bünde beeinflussen, wie hoch die Saiten über dem Griffbrett liegen.
Auch persönliche Vorlieben spielen hinein. Manche Gitarristen bevorzugen eine sehr niedrige Saitenlage, andere spielen bewusst mit etwas mehr Abstand.
Beim Kauf einer gebrauchten Gitarre ist daher die Frage interessanter, ob sich das Instrument vernünftig einstellen lässt. Ein aktuelles Setup kann verändert werden. Ein strukturelles Problem am Hals lässt sich deutlich schwerer lösen.
Bei Akustikgitarren den Korpus genauer ansehen
Bei einer gebrauchten Akustikgitarre kommen einige Prüfpunkte hinzu, die bei einer Solidbody-E-Gitarre keine Rolle spielen.
Die Decke steht durch die Saitenspannung unter Belastung. Eine leichte Wölbung kann konstruktionsbedingt normal sein. Deutliche Verformungen sollten genauer betrachtet werden.
Auch der Steg ist interessant. Er sollte fest mit der Decke verbunden sein. Hebt er sich sichtbar ab, ist eine Reparatur absehbar. Risse im Holz verdienen ebenfalls Aufmerksamkeit, vor allem wenn sie nicht nur oberflächlich im Lack liegen.
Der Halswinkel hat bei Akustikgitarren großen Einfluss darauf, ob sich eine angenehme Saitenlage einstellen lässt. Ist der Winkel ungünstig, reicht es irgendwann nicht mehr, lediglich die Stegeinlage niedriger zu schleifen.
Deshalb kann eine gebrauchte Akustikgitarre mit ein paar Kratzern die bessere Wahl sein als ein optisch saubereres Instrument mit Problemen an Steg oder Hals.
Wenn du gezielt nach einem solchen Instrument suchst, findest du die verfügbaren Modelle unter Akustikgitarren.
Bei E-Gitarren gehört die Elektronik zur Prüfung
Eine E-Gitarre hat weniger empfindliche Hohlräume und Decken als eine Akustikgitarre, dafür kommen elektrische Bauteile ins Spiel.
Potentiometer können mit der Zeit beim Drehen kratzen. Schalter können Kontaktprobleme bekommen. Auch eine Ausgangsbuchse kann sich lockern oder einen Wackelkontakt entwickeln.
Vieles davon lässt sich reparieren. Trotzdem sollte es bei der Preisbewertung berücksichtigt werden.
Bei gebrauchten E-Gitarren lohnt sich auch ein Blick darauf, ob die Elektronik noch dem Originalzustand entspricht. Ausgetauschte Tonabnehmer sind nicht grundsätzlich schlecht. Vielleicht wurde die Gitarre sogar sinnvoll aufgewertet. Für den Wert des Instruments kann es aber relevant sein, ob die ursprünglichen Teile noch vorhanden sind.
Wenn du gezielt nach einer elektrischen Gitarre suchst, findest du die aktuell angebotenen Instrumente in der Kategorie E-Gitarren. Für ein komplettes Setup lohnt sich außerdem ein Blick auf die E-Gitarren-Verstärker.
Mechaniken, Brücke und Tremolo
Mechanische Bauteile fallen häufig erst auf, wenn man mit dem Stimmen beginnt.
Mechaniken sollten ohne auffälliges Spiel arbeiten und die Stimmung halten. Bei einer festen Brücke sind lose Schrauben oder stark beschädigte Bauteile mögliche Warnzeichen.
Ein Tremolosystem ist etwas aufwendiger. Messerkannten und Bolzen können verschleißen. Bei älteren Systemen lohnt sich daher ein genauer Blick auf den Zustand der beweglichen Teile.
Etwas Patina auf Metallteilen ist meist eine optische Frage. Ein schwergängiges oder beschädigtes Bauteil betrifft dagegen die Funktion.
Auch hier gilt: Nicht jede sichtbare Spur muss repariert werden.
Kratzer, Dellen und Lackabnutzung
Bei gebrauchten Gitarren nehmen optische Spuren in Anzeigen oft erstaunlich viel Raum ein. Das liegt vermutlich daran, dass sie leicht zu sehen und leicht zu fotografieren sind.
Musikalisch gehören sie zu den weniger wichtigen Kriterien.
Eine Gürtelschnallen-Schramme auf der Rückseite eines Korpus verändert den Klang einer E-Gitarre nicht. Kleine Dellen oder Spielspuren rund um den Anschlagbereich entstehen bei regelmäßig genutzten Instrumenten schnell.
Bei bestimmten Lackierungen kann die Nutzung auch zu Verfärbungen oder matten Stellen führen.
Ob dich das stört, ist Geschmackssache. Für die Preisbewertung ist der optische Zustand relevant, bei der Frage nach der Spielbarkeit steht er weiter hinten.
Gear Treasure bildet genau solche Unterschiede in der Zustandsklassifizierung ab. Eine Gitarre im Zustand Good darf leichte Gebrauchsspuren und kleine Kratzer aufweisen, solange diese die Bespielbarkeit nicht wesentlich beeinträchtigen. Bei Fair können diese Spuren deutlich ausgeprägter sein.
Umbauten sind nicht automatisch schlecht
Viele Gitarren werden im Laufe ihres Lebens verändert. Tonabnehmer werden getauscht, Mechaniken ersetzt oder andere Potis eingebaut.
Solche Umbauten können sinnvoll sein. Vielleicht hat ein Vorbesitzer schwache Mechaniken gegen bessere Modelle ausgetauscht. Vielleicht gefallen dir die nachgerüsteten Pickups sogar besser als die ursprünglichen.
Bei sammelwürdigen oder älteren Instrumenten sieht die Bewertung anders aus. Dort kann Originalität einen erheblichen Teil des Wertes ausmachen.
Für eine Gitarre, die du einfach spielen möchtest, zählt dagegen stärker, ob die Änderungen fachgerecht ausgeführt wurden.
Bohrlöcher, unsaubere Fräsungen oder improvisierte Verkabelung sollte man genauer betrachten. Ein sauber eingebauter Ersatztonabnehmer ist etwas anderes.
Der mitgelieferte Koffer gehört zum Preis
Bei Preisvergleichen wird Zubehör gern übersehen.
Ein guter Hartschalenkoffer kann einen relevanten Wert haben. Dasselbe gilt für bestimmte Originalteile, Werkzeuge oder spezielle Tremolohebel.
Prüfe deshalb, was tatsächlich zum Angebot gehört. Ein günstigeres Instrument ohne Koffer kann am Ende kaum preiswerter sein, wenn du direkt nach dem Kauf einen passenden Schutz für den Transport benötigst.
Bei gebrauchten Instrumenten kann auch der Koffer selbst Gebrauchsspuren haben. Solange Verschlüsse und Scharniere funktionieren, ist das im Alltag häufig kein Problem.
Warum professionell genutzte Gitarren anders aussehen können
Eine Tour-Gitarre lebt unter anderen Bedingungen als ein Instrument, das nur zu Hause gespielt wird. Sie wird eingepackt, transportiert, ausgepackt und regelmäßig benutzt. Dabei entstehen Spuren.
Das bedeutet nicht automatisch, dass eine solche Gitarre schlechter ist.
Bei Gear Treasure stammen viele Instrumente aus professionellem Touring-Einsatz. Sie wurden Bands und Künstlern zur Verfügung gestellt und später durch neues Equipment ersetzt. Mehr über diesen Hintergrund erfährst du auf der Seite Wir über uns.
Für den Käufer kann das zu einer ungewohnten Situation führen. Eine Gitarre sieht vielleicht deutlich gespielt aus, befindet sich technisch aber in einem Zustand, der für den weiteren Einsatz gut geeignet ist.
Wer mit seinem Instrument selbst regelmäßig Proben und Auftritte spielt, bewertet eine kleine Macke oft anders als jemand, der eine möglichst makellose Gitarre sucht.
Was bei einem sehr günstigen Angebot skeptisch machen sollte
Ein ungewöhnlich niedriger Preis hat manchmal einen guten Grund. Das muss kein Problem sein, solange dieser Grund bekannt ist.
Schwierig wird es, wenn wichtige Informationen fehlen. Wenige Fotos, keine Angaben zu den Bünden und eine sehr allgemeine Zustandsbeschreibung machen ein Angebot schwer einschätzbar.
Auch stark veränderte Instrumente sollte man nicht ausschließlich anhand des Logos auf der Kopfplatte bewerten. Entscheidend ist, welche Teile tatsächlich vorhanden sind und in welchem Zustand sie sich befinden.
Bei einem Händler kommt noch ein anderer Punkt hinzu: Die Beschreibung sollte so konkret sein, dass du den Zustand vor der Bestellung nachvollziehen kannst.
Gebrauchte Gitarre online kaufen
Wenn du eine gebrauchte Gitarre online kaufst, kannst du sie vorher meist nicht selbst anspielen. Umso wichtiger ist eine vernünftige Dokumentation des einzelnen Instruments.
Schau bei den Fotos zuerst an die Stellen, die tatsächlich etwas über den Zustand verraten. Hals und Griffbrett sind interessanter als ein perfektes Foto des Herstellerlogos. Bei einer E-Gitarre lohnt sich ein Blick auf Brücke und Hardware. Bei einer Akustikgitarre sollten Decke und Steg erkennbar sein.
Lies danach die Zustandsbeschreibung. Gibt sie konkrete Informationen oder besteht sie hauptsächlich aus allgemeinen Adjektiven?
Bei Gear Treasure kannst du die Einstufung des Instruments mit der Zustandsklassifizierung abgleichen. Dadurch lässt sich einordnen, welche Art von Gebrauchsspuren bei der jeweiligen Kategorie zu erwarten ist.
Eine gute gebrauchte Gitarre muss nicht aussehen, als wäre sie gestern aus dem Karton gekommen. Sie sollte sich vernünftig einstellen lassen und zu deinem Einsatzzweck passen. Wenn diese Punkte stimmen, können ein paar Kratzer sogar ziemlich unwichtig werden.